Trough the darkest of times

Trough the darkest of times – Widerstand leisten statt an die Front gehen

»Through the darkest of times vermittelt dank der realen Ereignisse und Orten wie dem Moka Efti und dem Olympia Stadion, sowie der authentischen Musik ein stimmungsvolles Bild vom Berlin im Nationalsozialismus.«

Der 8. Mai 1945 war der Tag, an dem die Wehrmacht kapitulierte und der Krieg in Deutschland endgültig vorbei war. Da sich dieses Ereignis nun zum 77. Mal jährt, möchte ich das ein oder andere Spiel näher betrachten, in denen du als Spieler die Zeit des Nationalsozialismus mal nicht aus der Egoshooter-Perspektive betrachtest. Den Anfang macht der wunderbare Titel „Through the darkest of times“. Entwickelt wurde das antifaschistische Indie-Computerspiel vom Berliner Entwickler Paintbucket Games und feierte am 30. Januar 2020 seinen Release.

Die Wahl fiel sehr wahrscheinlich nicht aus Zufall auf diesen Januartag. Denn in stark stilisiertem Grafikstil startest du deine Reise durch dieses dunkle Kapitel unserer Geschichte am Tag von Hitlers Machtergreifung am 30. Januar 1933. Du sitzt mit zwei Gleichgesinnten zusammen in Berlin und gründest mit ihnen eine Widerstandsbewegung, die es nun zu pflegen und zu formen gilt.

Zufall und Strategie sind deine Begleiter

Alter, Beruf, Religion und die politische Einstellung deiner Spielfigur stellst du zufällig zusammen, ihr Aussehen kannst du aktiv bestimmen. Deine ersten zwei Begleiter bestimmt das Spiel ebenfalls zufällig. Und los geht’s! Nun ist es an der Zeit, im Berlin der 1930er Jahre Gleichgesinnte zu finden, Geld zu sammeln, deine Kerngruppe zu erweitern, Farbe oder Papier zu kaufen und Parolen an Wände zu malen oder Flugblätter zu drucken. Die individuellen Fähigkeiten deiner Gruppenmitglieder sind dabei ausschlaggebend, wie erfolgreich die Aktionen deiner Bewegung sind. Ist dein Widerstandskämpfer katholisch, wird er bei den Christen eher Gehör finden, während es ein Arbeiter in Kreuzberg leichter haben wird, Unterstützer zu erreichen. Sind deine Gruppenmitglieder aber zu unterschiedlich, könnte daraus ein Streit entwachsen, der den Zusammenhalt des großen Ganzen wiederum gefährden könnte.

Das Spiel ist in 4 Kapitel aufgeteilt, die jeweils rundenbasiert ablaufen und auf zentrale Ereignisse der Nazizeit – wie etwa den Reichstagsbrand, die Bücherverbrennungen oder auch die Köpenicker Blutnacht – hinführen. Dein Ziel ist es, pro Kapitel ausreichend Unterstützer zu sammeln, damit deine Widerstandsbewegung weiter besteht und es bis zum Ende des Krieges schafft. Entscheidend dafür ist außerdem die Moral deiner Gruppe. Je weiter der Krieg voranschreitet, desto größer sind die Moraleinbußen durch das allgemeine Weltgeschehen. Wird dann noch jemand aus deinem Kernteam durch die Gestapo festgenommen oder während eines Einsatzes getötet, wirkt sich das massiv auf die Moral deiner Gruppe aus. Du siehst also, Through the darkest of times erfordert taktische Entscheidungen und vermittelt dir gleichzeitig historische Begebenheiten, an denen du aktiv teilnimmst.

Authentisches und liebevolles Game-Design mit kleineren Schwächen

Trotz einiger repetitiver Aufgaben und relativ wenig Abwechslung bei den Events in den Kapiteln, deren Ergebnis trotz verschiedener Antwortmöglichkeiten oft relativ ähnlich ist, habe ich das Spiel mittlerweile dreimal bis zum Ende gespielt. Denn die durch Zufall generierten Charaktere deiner Widerstandsgruppe und die größeren Zwischenmissionen, auf die du gezielt hinarbeiten musst, locken mit Details, die die Geschichte mit Leben füllen. Ist jemand aus deiner Gruppe homosexuell, dann wird er vermutlich ein Event triggern, bei dem er nach dem Besuch einer Schwulenbar von einer SA-Gruppe zusammengeschlagen wird. Jüdische Mitstreiter werden sich im Untergrund verstecken müssen, während andere Widerstandsmitglieder heiraten, Kinder bekommen oder dir in den Rücken fallen und euch bei der Gestapo verraten werden. Du siehst: Kein Run wird sein wie der andere. Hinzu kommt die stimmungsvolle Musik, die im Treffpunkt deiner Gruppe spielt und dich im Zusammenspiel mit dem Design der Figuren umgehend in die Zeit der 30er und 40er Jahre versetzt. Und ich muss sagen: Als ich das erste Mal das Ende des Krieges erreicht hatte, spürte ich tatsächlich so etwas wie Erleichterung. Nicht, weil ich froh war, dass es vorbei war, sondern weil ich das Gefühl hatte, mit meinen liebgewonnenen Charakteren etwas Großes geschafft zu haben.

Spielerische Geschichtsstunde mit klarem Mehrwert

Through the darkest of times vermittelt dank der realen Ereignisse, Orten wie dem Moka Efti und dem Olympia Stadion sowie der authentischen Musik ein stimmungsvolles Bild vom Berlin im Nationalsozialismus. Doch nicht nur das: Das Spiel war außerdem zu seinem Release das erste Computerspiel, das in Deutschland unzensierte Nazi-Symbole wie etwa Hakenkreuze und den Hitlergruß zeigen durfte. Denn hier geht es keinesfalls um die Verherrlichung einer Ideologie, sondern um genau das Gegenteil. Through the darkest of times zeigt die Sicht des Widerstandes und macht auf beinahe unangenehme Art und Weise deutlich, wie erschreckend normal es in dieser Zeit für den Großteil der Bevölkerung war, der nationalsozialistischen Propaganda zu folgen. Daher spreche ich trotz der erwähnten Kritikpunkte eine große Empfehlung für dieses geschickt geschnürte Paket an Geschichtsvermittlung aus!

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